Montessori Kinderhaus St. Sebastian
 

Entstehungsgeschichte und Grundgedanken

Bevor es 1923 zum Kindergartenbau kam, wurde am 19. Oktober 1919 der Sankt-Johanniszweigverein „zum Zweck der Einrichtung einer Kinderbewahranstalt und einer Krankenstation“ gegründet. 48 Mitglieder traten dem Verein bei. Im Jahre 1923 konnte die Anstalt trotz finanzieller Schwierigkeiten gebaut werden. Das Engagement des damaligen Bürgermeisters und die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung durch freiwillige Arbeiten und Fuhrleistungen ermöglichte die Inbetriebnahme wesentlich mit.

Um den Bau zu finanzieren zogen alle im Dorf an einem Strang. Die Grundbesitzer verzichteten zum Beispiel für zwölf Jahre auf die Auszahlung des Jagdpachtschillings. Die Gemeinde stellte kostenlos den Bauplatz zur Verfügung. Bauholz erbat der Bürgermeister vom Fürsten von Thurn und Taxis, der in der Region Wälder besaß. „Die Mildtätigkeit des fürstlichen Hauses wird zur Zeit so stark in Anspruch genommen, dass es gerade unmöglich ist, alle Gemeinden zu berücksichtigen... Die fürstliche Verwaltung hat in der Gemeinde Kolitzheim keinen Grundbesitz und steht mit derselben in keinerlei Berührung“, lautete die abschlägige Mitteilung.

In dem Brief, den der Bürgermeister am 16. Januar 1923 an den Adeligen schrieb, ging er kurz auf den Ort ein. Er schildert die Lage der Bürger und die daraus resultierende Notwendigkeit für den Bau der Einrichtung. „Die in der Gemeinde in den letzten Jahren infolge Aufsichtslosigkeit vorkommenden Unglücksfälle von Kindern, die teils mit Todesfolge, teils mit lebenslanger Krüppelhaftigkeit ausgingen, brachte namenloses Leid in die betroffenen Familien“, erläuterte der Bürgermeister in seinem Brief. Das Arbeitsverhältnis und die Vermögenslage der meisten kinderreichen Arbeiter und Kleinbauern gestatteten es sehr oft nicht, ihre Kinder entsprechend zu beaufsichtigen oder beaufsichtigen zu lassen. In ähnlich übler Lage wie die Kinder seien, wie der Bürgermeister weiter ausführte, auch die alten, kranken Leute.

„Ihren Angehörigen ist es durch ihre Berufsarbeiten nicht möglich, diesen armen Kranken die notwendige Pflege angedeihen zu lassen. So kam es schon vor, dass bei dringender Feldarbeit schwache pflegebedürftige Kranke starben, ohne jeglichen menschlichen Beistand. Die Notwendigkeit der baldigen Errichtung der Anstalt liegt klar zu Tage. In Erkenntnis dessen haben alle Gemeindeangehörigen vom leistungsfähigsten bis zum geringsten die größtmöglichsten Opfer gebracht“, schreibt der Bürgermeister an den Fürsten.

34 Jahre nach dem Bau des Kindergartens wurde 1957 an das Gebäude angebaut. Neue Toiletten entstanden. Der Kindersaal erhielt einen neuen Boden. Weitere Modernisierungen folgten im Laufe der Jahre.

Bis in die 70er Jahre hinein führte der Verein regelmäßig im Herbst Naturaliensammlungen durch. Sie wurden verkauft, und der Erlös kam dem Kindergarten zugute. In den 70-er Jahren trat der Verein dem Dachverband der Caritas bei und wurde in Pfarr-Caritasverein umbenannt.

Betreut wurde die Einrichtung bis 1979 von Ordensschwestern. Eine so genannte Arbeitsschwester führte den Haushalt. Zwei andere Schwestern waren für die Kinder und die Kranken zuständig. Insgesamt waren 34 Schwestern in Kolitzheim tätig.

„Mit der Kinderschwester hätte ich nicht tauschen wollen. Es war eine sehr große nervliche Belastung, dort zu arbeiten. Teilweise waren bis zu 70 Kinder in einem Saal. So ab 1965 bis 1970 durften nur noch Kinder ab drei Jahren in den Kindergarten“, berichtet Schwester Liebgunde. Sie war von 1961 bis 1979 Handarbeitsschwester in der Gemeinde und half manchmal im Kindergarten mit..